Der Corporate Governance Monitor 2021 präsentiert jährlich die Vergleichsergebnisse in Bezug auf Corporate Governance Indikatoren und stellt damit einen Orientierungsrahmen für die theoretische und praktische Diskussion zur Ausgestaltung von Corporate Governance Strukturen zur Verfügung. In diesem zweiten – noch umfangreicheren – Bericht werden 238 kapitalmarktorientierte Unternehmen in Österreich und Deutschland analysiert und es werden insbesondere Kennzahlen zum Aufsichtsrat, zur Vergütungs- und Diversitätsstruktur des Vorstandes und Aufsichtsrates, Daten zur Abschlussprüfung sowie erstmals Daten zu den Qualifikationen von Aufsichtsratsmitgliedern in Österreich gezeigt. Als Ergebnisse seien beispielsweise die folgenden Punkte genannt:

  • Aufsichtsrat und Ausschüsse: Ein großer Teil der Arbeit erfolgt in Ausschüssen; die Anzahl an Aufsichtsratsausschusssitzungen ist Vergleich zu Vorjahr nochmals gestiegen. Es zeigen sich keine erheblichen Unterschiede zwischen Österreich und Deutschland.
  • Diversität in Führungsorganen: Der Frauenanteil beträgt im Median 30%; dabei zeigt sich, dass die Frauenquote in den Aufsichtsräten in den letzten 3 Jahren deutlich gestiegen ist. Wobei weiterhin insbesondere ein Nachholbedarf bei kleineren Unternehmen besteht. Ein anderes Bild ergibt sich auf Vorstandsebene: Weiterhin können nur etwa 29% aller analysierten Unternehmen min. 1 Frau im Vorstand aufweisen.
  • Alter im Aufsichtsrat: Das Durchschnittsalter beträgt 57 Jahre; jenes der Vorsitzenden 63 Jahre (im DAX 30 67 Jahre)! Im Untersuchungsjahr wurden 3%-7% der Aufsichtsräte neu bestellt, wobei deren Durchschnittsalter bei 52 Jahren liegt. Damit zeigt sich, dass seit 3 Jahren eine Verjüngung der Aufsichtsratsmitglieder beobachtet werden kann.
  • Vergütung des Aufsichtsrats: Nach einem modernen Verständnis des Aufsichtsrats hat dieser über eine Kontrollfunktion hinaus auch noch eine Fülle an weiteren Funktionen – bspw. besonders eine wichtige Funktion bei strategischen Weichenstellungen. Für die Erfüllung der breiten Aufgaben muss eine angemessene Vergütung erfolgen. Derzeit liegt die Vergütung für den gesamten Aufsichtsrat am österreichischen Aktienmarkt nur bei 34,7% der durchschnittlichen Vergütung eines Vorstandsmitglieds. Während in Deutschland das Verhältnis der Vergütung des gesamten Aufsichtsrats der Vergütung fast ungefähr der durchschnittlichen Vergütung eines Vorstandsmitglieds entspricht bzw. am DAX30 sogar erreicht, öffnet sich in Österreich die Schere zwischen Vorstands- und Aufsichtsratsvergütung weiter.
  • Abschlussprüfer: Sowohl in Österreich als auch in Deutschland beherrschen die BIG 4 Prüfungsgesellschaften den Markt, was selbstverständlich an der internationalen Ausrichtung der kapitalmarktorientierten Unternehmen liegt. Das Gesamthonorar für Wirtschaftsprüfung liegt im Median bei TEUR 844 wobei ein großer Unterschied zwischen Österreich (Anleiheemittenten TEUR 402, Aktienemittenten TEUR 357) und Deutschland (DAX30 TEUR 13.000 und Non DAX 30 TEUR 976) besteht.
  • Vergütungssysteme: Bei einer detaillierteren Analyse der Vergütungspolitiken wird offensichtlich, dass in Österreich im Vergleich zu Deutschland deutlich weniger Unternehmen langfristige Vergütungskomponenten implementieren. Außerdem zeigt sich, dass neben finanziellen Kennzahlen auch nichtfinanzielle KPIs die Vorstandsvergütung wesentlich beeinflussen, wobei auch hier Österreich im Vergleich zu Deutschland nachhinkt. Es zeigt sich, dass Nachhaltigkeitsaspekte in Österreich als auch Deutschland überraschenderweise eher  in kurzfristigen Boni verankert wurden.

Link zum Corporate Governance Monitor 2021